In der Folge am Donnerstag geht es um Traktorstrahlen: wie sie in der Galaxis funktionieren, wer sie benutzt und wie der Todesstern den Millennium Falken damit eingefangen hat. In der Folge bleibe ich ganz in der Galaxis. Hier im Logbuch schauen wir dagegen auf unsere Seite der Leinwand, denn der Traktorstrahl ist älter als Star Wars, und hinter der bekanntesten Traktorstrahl-Szene steckt ein Gemälde auf Glas.
Ein Wort aus dem Jahr 1931
Den Traktorstrahl hat ein Lebensmittelchemiker erfunden. Edward Elmer Smith, geboren 1890 in Wisconsin, promovierte 1918 in Chemieingenieurwesen und arbeitete danach jahrzehntelang an Backmischungen, vor allem für Donuts. Unter seinen Geschichten stand anfangs „Edward E. Smith, Ph.D.“, und daraus wurde später „Doc“ Smith. Nebenbei schrieb er Science-Fiction, und zwar so erfolgreich, dass man ihn heute oft den Vater der Space Opera nennt.
Im Jahr 1931 erschien in der Zeitschrift Amazing Stories in drei Folgen sein Roman Spacehounds of IPC. Darin taucht zum ersten Mal das Wort „tractor beam“ auf. In derselben Geschichte erfand Smith auch das Gegenstück, einen Strahl, der Dinge wegdrückt statt sie heranzuziehen. Er nannte ihn „pressor beam“. Ziehen und Stoßen, genau diese beiden Richtungen kennen auch die Traktorstrahlen in Star Wars.
Smith selbst hielt Spacehounds of IPC für sein bestes Werk, weil er sich darin besonders um wissenschaftliche Glaubwürdigkeit bemüht hatte. Bekannter wurden aber seine Lensman-Romane über eine galaktische Polizei. George Lucas hat erzählt, dass gerade diese Bücher ihn in seiner Jugend stark geprägt haben. Über Star Trek und viele andere Geschichten wurde der Traktorstrahl dann zur Grundausstattung jedes Raumschiffs in der Science-Fiction.
Der bodenlose Schacht
In Episode IV schiebt sich Obi-Wan Kenobi über einen schmalen Sims, um den Traktorstrahl abzuschalten, und unter ihm fällt ein Schacht scheinbar endlos in die Tiefe. Diesen Schacht gab es nie. Gedreht wurde 1976 in den Elstree Studios bei London, und die gewaltige Tiefe kam erst später dazu, gemalt auf Glas.
Die Technik heißt Matte Painting. Ein Maler malt die Umgebung auf eine Glasplatte und lässt die Stelle frei, an der später die echte Filmaufnahme mit den Schauspielern sitzt. Beides zusammen ergibt ein Bild, das wie ein riesiger Raum aussieht. Schon die Dokumentation The Making of Star Wars aus der Zeit des Kinostarts erklärte, dass die Traktorstrahl-Szene so entstanden ist. Bis heute wird dieser bodenlose Schacht als Paradebeispiel für Matte Paintings genannt, in einer Reihe mit Xanadu aus Citizen Kane.
Zu den Malern gehörte Harrison Ellenshaw. Er kam aus der Matte-Abteilung der Disney-Studios, wo schon sein Vater Peter Ellenshaw als Matte-Maler gearbeitet hatte. Für Star Wars war er nur ausgeliehen. Geplant waren sieben Bilder, doch George Lucas gefielen die ersten so gut, dass am Ende dreizehn daraus wurden. Zu Ellenshaws bekanntesten Arbeiten zählen der scheinbar kilometertiefe Schacht im Todesstern, der Raumhafen von Mos Eisley und der Thronsaal der Rebellen aus der Schlussszene.
In einem späteren Interview gab Ellenshaw übrigens zu, dass er selbst nicht weiß, warum der Todesstern überhaupt solche tiefen Schluchten hat. Für die Geschichte waren sie ein Geschenk, denn über eine von ihnen schwingt sich Luke mit Leia im Arm.
Das Schiff, das vierzig Jahre wartete
In der Folge erzähle ich vom Arrestor-Kreuzer, einem imperialen Schiff mit drei schüsselförmigen Traktorstrahl-Emittern, das Schmuggler und Piraten lebend einfangen soll. Seine Geschichte beginnt allerdings nicht in der Galaxis, sondern vor dem ersten Star-Wars-Film.
Der Designer Colin Cantwell arbeitete in den Siebzigern an den Raumschiffen für den ersten Film und schuf unter anderem den TIE-Jäger mit. Einen seiner Entwürfe nannte er Sith-Träger. Das Schiff war an Flugzeugträgern aus dem Zweiten Weltkrieg angelehnt und sollte Sith-Jäger starten lassen. Die Schüsseln an seinen Seiten waren als Waffe gedacht, mit der es andere Schiffe zerstört. Lucas entschied sich am Ende für ein ganz anderes Schiff. Die Idee mit den Schüsseln verschwand aber nicht, sie wanderte in den Superlaser des Todessterns.
Rund vierzig Jahre später stöberte das Team von Solo: A Star Wars Story im Archiv von Lucasfilm und fand Cantwells alten Entwurf. Industrial Light & Magic baute danach ein detailliertes Computermodell. Im Drehbuch sollte das Schiff den Millennium Falken mit einem Traktorstrahl fangen. Die Szene wurde aber geschnitten, und Cantwell schrieb im Mai 2018 enttäuscht auf Instagram, dass man ihm keinen Grund genannt habe. Im fertigen Film ist das Schiff nur kurz zu sehen, in einem Werbefilm des Imperiums auf Corellia. Ein weiterer Auftritt, in dem der junge Han Solo als Pilot auf einem Arrestor-Kreuzer dient, landete bei den geschnittenen Szenen.
Selbst einen Namen bekam der Kreuzer erst nachträglich. Leland Chee, der bei Lucasfilm über den Kanon wacht, verriet 2018 auf Twitter, dass es sich um die Cantwell-Klasse handelt, ein Name, der an ihren Designer erinnert. Offiziell bestätigt wurde das erst 2020 in einem Quellenbuch für das Star-Wars-Rollenspiel.
Und in der Galaxis?
Ein Donut-Chemiker, ein Glasbild und ein Schiff, das vierzig Jahre im Archiv lag: Das ist die Geschichte auf unserer Seite. Was ein Traktorstrahl in der Galaxis kann, warum die Masse entscheidet, wer wen zieht, und wie Obi-Wan, Luke Skywalker und ein paar findige Piloten aus der Falle herauskamen, hörst du am Donnerstag in der neuen Folge von Einschlafen mit Star Wars.